Wer ein Haus verkaufen möchte, steht früher oder später vor einer zentralen Frage: Soll der Verkauf über einen Immobilienmakler erfolgen oder ist der Privatverkauf die bessere Wahl? Beide Wege haben klare Vorteile, aber auch nicht zu unterschätzende Nachteile. Die Entscheidung wirkt sich direkt auf den Verkaufspreis, die Dauer des Verkaufsprozesses, den persönlichen Aufwand und das rechtliche Risiko aus.
In diesem ausführlichen Ratgeber erfahren Sie detailliert, worin sich der Verkauf mit Makler und der Hausverkauf in Eigenregie unterscheiden. Wir beleuchten Kosten, Zeitaufwand, Verkaufspreis, rechtliche Sicherheit, Vermarktung, Verhandlung und typische Fehler. Am Ende finden Sie eine übersichtliche Pro- & Contra-Tabelle, die Ihnen die Entscheidung erleichtert.
Grundsätzliches: Zwei Wege zum Hausverkauf
Beim Hausverkauf gibt es grundsätzlich zwei Optionen:
1. Verkauf über einen Immobilienmakler
Ein professioneller Makler übernimmt den gesamten Verkaufsprozess oder große Teile davon – von der Bewertung über die Vermarktung bis zum Notartermin.
2. Privatverkauf (Eigenleistung)
Sie verkaufen Ihr Haus selbstständig, organisieren Unterlagen, Inserate, Besichtigungen, Verhandlungen und begleiten den Notarprozess eigenverantwortlich.
Welche Variante sinnvoller ist, hängt stark von Ihrer persönlichen Situation, Ihrer Immobilie, Ihrer Erfahrung und Ihren Zielen ab.
Hausverkauf mit Makler – so funktioniert es
Ein Immobilienmakler agiert als professioneller Vermittler zwischen Verkäufer und Käufer. Seriöse Makler beginnen mit einer fundierten Marktanalyse und bewerten Ihre Immobilie realistisch anhand von Lage, Zustand, Ausstattung und regionaler Nachfrage.
Im Anschluss erstellt der Makler ein professionelles Exposé mit hochwertigen Fotos, Grundrissen, Texten und oft auch virtuellen Rundgängen. Die Vermarktung erfolgt über Immobilienportale, eigene Netzwerke, vorgemerkte Interessenten und teilweise diskret im Off-Market-Bereich.
Der Makler koordiniert Anfragen, prüft Interessenten, organisiert Besichtigungen, führt Preisverhandlungen und begleitet den gesamten Prozess bis zur notariellen Beurkundung und Übergabe.
Typische Leistungen eines Maklers
- Markt- und Immobilienbewertung
- Zusammenstellung und Prüfung aller Verkaufsunterlagen
- Erstellung professioneller Exposés
- Online- und Offline-Vermarktung
- Vorqualifikation von Interessenten
- Organisation und Durchführung von Besichtigungen
- Preisverhandlungen
- Vorbereitung des Kaufvertrags
- Begleitung zum Notar
- Übergabe der Immobilie
Haus privat verkaufen – der Weg in Eigenregie
Beim Privatverkauf behalten Sie die volle Kontrolle über den Verkaufsprozess. Sie bestimmen Preis, Vermarktungsstrategie, Termine und Verhandlungen selbst. Das kann Kosten sparen, erfordert jedoch erhebliches Engagement und Fachwissen.
Sie müssen sich selbst um die Immobilienbewertung kümmern, ein ansprechendes Inserat erstellen, Fotos anfertigen, Anfragen beantworten, Besichtigungen organisieren und Kaufinteressenten prüfen. Auch rechtliche Aspekte wie Mängelhaftung, Aufklärungspflichten und Vertragsdetails liegen vollständig in Ihrer Verantwortung.
Der Privatverkauf eignet sich vor allem für Eigentümer mit ausreichend Zeit, Verhandlungserfahrung und einer guten Kenntnis des Immobilienmarktes.
Kostenvergleich: Maklerprovision vs. Eigenleistung
Ein zentrales Argument für den Privatverkauf ist die Einsparung der Maklerprovision. Diese beträgt je nach Bundesland, Region und Vereinbarung meist zwischen 3 % und 7 % des Kaufpreises (inklusive Mehrwertsteuer).
Allerdings sollte man Kosten nicht isoliert betrachten. Ein erfahrener Makler erzielt häufig einen höheren Verkaufspreis, der die Provision teilweise oder vollständig kompensieren kann.
Beim Privatverkauf fallen zwar keine Maklerkosten an, dafür entstehen häufig Ausgaben für:
- Immobilienportale
- professionelle Fotos
- Energieausweis
- Gutachten oder Wertermittlung
- rechtliche Beratung
Zeitaufwand: unterschätzter Faktor beim Privatverkauf
Der Zeitaufwand wird von privaten Verkäufern häufig unterschätzt. Schon die Vorbereitung kann mehrere Wochen dauern. Hinzu kommen unzählige Anfragen, viele davon ohne ernsthafte Kaufabsicht oder ohne Finanzierung.
Besichtigungen finden oft abends oder am Wochenende statt. Absagen, Nachfragen, Preisverhandlungen und Verzögerungen gehören zum Alltag. Wer beruflich stark eingebunden ist oder emotional am Objekt hängt, empfindet diesen Prozess schnell als Belastung.
Ein Makler filtert Interessenten vor, bündelt Termine und entlastet Sie zeitlich erheblich.
Verkaufspreis: Wer erzielt mehr?
Studien und Marktbeobachtungen zeigen, dass Immobilien, die professionell vermarktet werden, im Durchschnitt höhere Verkaufspreise erzielen. Gründe dafür sind:
- realistische Preisfindung
- bessere Präsentation
- größere Reichweite
- professionelle Verhandlungsführung
- weniger emotionale Entscheidungen
Private Verkäufer setzen den Preis häufig zu hoch oder zu niedrig an. Ein zu hoher Preis schreckt Interessenten ab, ein zu niedriger Preis führt zu unnötigen Verlusten.
Rechtliche Sicherheit und Haftungsrisiken
Beim Hausverkauf bestehen umfangreiche Aufklärungs- und Offenlegungspflichten. Verschweigen Sie bekannte Mängel oder machen unvollständige Angaben, kann der Käufer später Schadensersatz oder Rückabwicklung verlangen.
Makler achten darauf, dass relevante Informationen korrekt dokumentiert und kommuniziert werden. Beim Privatverkauf tragen Sie dieses Risiko allein.
Besonders kritisch sind Themen wie:
- Feuchtigkeitsschäden
- nicht genehmigte Umbauten
- Wegerechte und Baulasten
- Altlasten
- Streitigkeiten in der Eigentümergemeinschaft
Emotionen & Verhandlung: ein unterschätztes Risiko
Viele Eigentümer sind emotional mit ihrer Immobilie verbunden. Diese emotionale Nähe erschwert sachliche Verhandlungen. Kritik von Interessenten wird persönlich genommen, Preisverhandlungen verlaufen unsicher oder zu nachgiebig.
Ein Makler agiert neutral, professionell und routiniert. Er kennt Verhandlungstaktiken, erkennt ernsthafte Kaufabsichten und weiß, wann Zurückhaltung oder Druck sinnvoll ist.
Pro- & Contra-Tabelle: Makler vs. Privatverkauf
| Variante | Vorteile | Nachteile |
|---|---|---|
| Verkauf mit Makler | Höherer Verkaufspreis möglich Professionelle Vermarktung Große Reichweite Zeitersparnis Rechtliche Sicherheit Erfahrene Verhandlungsführung Bonitätsprüfung der Käufer |
Maklerprovision Abhängigkeit von Qualität des Maklers Weniger direkte Kontrolle |
| Privatverkauf | Keine Maklerprovision Volle Kontrolle über den Prozess Direkter Kontakt zu Käufern |
Hoher Zeitaufwand Fachwissen erforderlich Höheres rechtliches Risiko Oft geringerer Verkaufspreis Emotionale Fehlentscheidungen |
Für wen eignet sich welche Variante?
Ein Makler ist besonders sinnvoll, wenn:
– Sie wenig Zeit haben
– Sie den bestmöglichen Preis erzielen möchten
– Sie wenig Erfahrung im Immobilienverkauf haben
– die Immobilie hochwertig oder komplex ist
– mehrere Erben beteiligt sind
– emotionale Distanz fehlt
Ein Privatverkauf kann sinnvoll sein, wenn:
– Sie über Marktkenntnisse verfügen
– Sie zeitlich flexibel sind
– Sie verhandlungssicher auftreten
– die Immobilie leicht verkäuflich ist
– Sie Kosten minimieren möchten
Fazit: Makler oder selbst verkaufen?
Die Entscheidung zwischen Makler und Privatverkauf sollte nicht allein von der Maklerprovision abhängig gemacht werden. Zeit, rechtliche Sicherheit, erzielbarer Verkaufspreis und persönlicher Stress spielen eine ebenso große Rolle.
In vielen Fällen führt der Verkauf über einen qualifizierten Immobilienmakler zu einem besseren Gesamtergebnis – finanziell wie organisatorisch. Der Privatverkauf kann funktionieren, erfordert jedoch Disziplin, Fachwissen und eine realistische Selbsteinschätzung.
Wer den Hausverkauf professionell, sicher und möglichst gewinnbringend abwickeln möchte, sollte beide Optionen sorgfältig abwägen und sich im Zweifel beraten lassen, bevor er eine Entscheidung trifft.

